Goggles, Zylinder, Reifrock und mechanisch-futuristische Geräte: Ganz klar, wir reden über die viktorianische Mode der Steampunk-Bewegung! Die auf den Erzählungen der viktorianischen Science-Fiction Autoren Jules Verne und H.G. Wells basierende Kulturbewegung hat nach vielen Jahren Nischendasein auch endlich Deutschland im Sturm erobert! In anderen Ländern, allen voran Großbritannien und den USA, erfreut sich der Retrofuturismus bereits seit Mitte der 1980er Jahre zunehmender Beliebtheit. Ihr wollt wissen, was dieses phantastische Kunstgenre eigentlich ausmacht und wie es sich mittlerweile in fantasievoller Mode und exquisiten Szene-Events ausdrückt? Dann entführen wir Euch jetzt auf eine faszinierende Reise in eine etwas andere Gegenwart!

Mit Dampfkraft in eine phantastische Zukunft!

Was wäre, Strom nie „erfunden“ worden wäre und wenn sich im viktorianischen Zeitalter Technologie auf Basis von Dampfkraft und dem sagenumwobenen Element „Äther“ entwickelt hätte? So kann man kurz und knapp die außergewöhnliche Welt eines sogenannten Steampunks kurz umreißen. Doch wie hat sich dieses Konzept in eine weltweit zunehmend erfolgreichen Szene-Bewegung umsetzen können? Ganz einfach, mittels Fantasie!

Das Ganze nahm schon in der frühen Industrialisierung seinen Lauf: Wie zu jeder Zeit haben sich auch Ende des 19. Jahrhunderts, einer Zeit des großen (industriellen und bildungstechnischen) Umbruchs, die damals lebenden Menschen Gedanken um die Zukunft gemacht, dabei über dampfkraftbetriebene Kutschen, Luftschiffe und U-Boote fabuliert. Diese oft gar nicht mal so abwegigen Zukunftsvisionen manifestierten sich selbstverständlich auch in der damaligen Literatur. Man denke nur an Romane wie „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne oder „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells!

Zurück in die Gegenwart!

Wagen wir nun, aus damaliger Sicht, einen Sprung in die Zukunft, unsere aktuelle Gegenwart. In den 1980er Jahren entwickelte sich in der Science-Fiction Kultur der sogenannte Cyberpunk, der erzählerisch einen eher düsteren Blick auf die Zukunft warf und mit Romanen wie „Neuromancer“ von William Gibson immens erfolgreich war und bis heute ist. Im Jahr 1987 benannte der US-amerikanischer Science-Fiction- und Horror-Autor K.W. Jeter in einem Interview seinen historisch-futuristischen Romanstil in Anlehnung an den Cyberpunk augenzwinkernd als „Steampunk-Literatur“ – und somit war der Begriff für ein neues historisch fundiertes Science-Fiction Genre geboren!

Die wunderbare Welt der Steampunk-Mode

Der Steampunk-Begriff steht natürlich nicht nur für ein faszinierendes literarisches Genre, rund um den Retrofuturismus hat sich eine komplett eigene Modewelt entwickelt, die nicht nur Hardcore-Phantasten, sondern auch immer mehr ausgefallene Mode liebende Menschen erreicht und für sich begeistert. Der Bekleidungsstil ist dabei dem in der schwarzen Szene seit Jahrzehnten beliebten „Victorian Gothic“ gar nicht unähnlich, nur eben nicht ganz so düster gehalten. Anstatt von Schwarz (was durchaus Verwendung findet!) dominiert bei den Bekleidungsstücken vor allem die Farben Braun, Gold, Kupfer und Messing. Doch auch warme Farbtöne, wie Lila, Moosgrün und Rubinrot, finden sich in der an viktorianische Mode angelehnten Bekleidung von Damen und (!) Herren gerne wieder.

Das ist übrigens eine weitere Besonderheit, die Steampunk-Mode mit der Gothic-Szene gemeinsam hat. Nicht nur die weiblichen Szeneanhänger legen viel Wert auf ein exquisites Styling, auch der Mann legt Wert auf seine Bekleidung und hat auch ein Auge für die passenden Accessoires, die gerne ausgefallene mechanische Besonderheiten aufweisen dürfen.

Neue fantasievolle Veranstaltungen sind auf dem Vormarsch

Bei der stetig wachsenden Anhängerschaft der retrofuturistischen Bewegung verwundert es kaum, dass sich immer mehr Steampunk-Events in Deutschland und zahlreichen Nachbarländern entwickeln. Manch einer spricht sogar davon, dass diese besonderen Retro-Veranstaltungen bald eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die zahlreichen Mittelaltermärkte werden! Allzu verwunderlich wäre das ja nicht, denn das historisch-futuristische Genre unterliegt keinen verpflichtenden Regeln wie das Mittelalter-Genre, spricht Alt und Jung unabhängig von privatem Musik- oder Kunstgeschmack an. Zudem ist der Anblick der fantasievoll nostalgisch gewandeten Herrschaften auch für den „Otto-Normalverbraucher“ einfach gute Unterhaltung und bringt die Augen von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen zum Strahlen.

Dunkelbunte Großveranstaltungen, wie das Wave Gotik Treffen oder das M’Era Luna, locken bereits seit Jahren immer mehr in viktorianischer Mode gewandete Herrschaften an. Doch auch komplett eigenständige Steampunk-Events, die nicht nur als Add-On von Museumsveranstaltungen und Dampfmaschinen-Ausstellungen fungieren, können sich zunehmend behaupten. Nehmen wir da beispielsweise die eintägige Steampunk Jubilee Premiere des LWL-Museums Schiffshebewerk Henrichenburg bei Dortmund am So. 11.08.2019, die auf Anhieb 4.500 Besucher (davon rund 1.500 Steampunk-gewandete Gäste) von nah und fern herbeilocken konnte. Das dieser Besucher und Veranstalter gleichermaßen begeisternde Erfolg nun im Jahr 2020 zu einer gleich zweitägigen Wiederholung (08. – 09.08.2020) des phantastischen internationalen Steampunktreffens führt, mag wohl niemanden verwundern.

Als Vorbild für gelungene Großevents kann natürlich auch das Asylum Festival in Lincoln/Großbritannien, dienen. Das laut Angaben des Veranstalters weltweit größte Steampunk-Treffen wird vom 28. bis 31. August 2020 bereits zum zwölften Mal das historische Viertel der Stadt mit außergewöhnlich gewandeten Herrschaften und abwechslungsreicher Kunst und Kultur bevölkern.

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